Wenn Michael Wollny zum Konzert einlädt, dann ist das eher nichts für Freunde von Fahrstuhlmusik oder Easy Listening. Schon gar nicht, wenn Wollny zusammen mit seinem Trio [em] auftritt – und der zweite Teil des Abends von der New Yorker Combo Rudder bestritten wird. Ende Oktober machten beide Bands im Rahmen der Reihe „Jazz 2 day“ im Frankfurter Hof in Mainz Station.
Das in klassischer Besetzung Drums (Eric Schaefer), Kontrabass (Eva Kruse) und Piano (Michael Wollny) besetzte Trio startet zwar mit leichten Tonproblemen am Bass in den Auftritt, doch die sind bald behoben – und es geht mit Songs wie „Phlegma Fighter“ oder „Flowers“ vom aktuellen Album voll zur Sache. Wollny eilt der Ruf voraus ein experimentierfreudiger Perfektionist an den Tasten zu sein. Und genau das merkt man ihm auch an. Er ist voll konzentriert, wirkt fast ein wenig verbissen, spielt dabei aber unglaublich präzise. Seine Bandbreite reicht von filigranen Improvisationen über harmonische Akkordfolgen bis hin zu derberen Passagen, bei denen auch mal der ganze Unterarm auf der Klaviatur zum landet. Die Musik selbst ist Jazz auf höchstem Niveau, angetrieben durch eine grandiose Rhythmusgruppe – Eric Schaefer an den Drums geht Wollnys Tempo locker mit, greift dabei aber ebenfalls in die Trickkiste und rasselt einer Eisenkette, knistert mit Reisig oder flötet mit einer Harmonika ins Mikro. Auch Eva Kruse am Kontrabass fügt sich perfekt in die Arrangements ein, entlockt ihrem Instrument hohe, tiefe und schrille Töne, spielt perfekte Soli und ergänzt Wollnys expressives Spiel optimal. Nach einer Stunde plus Zugabe ist Pause, jetzt gehört die Bühne den vier Jungs von Rudder. Auffälligster Unterschied: Der Flügel ist verschwunden – dafür werden zwei Synthesizer hereingetragen.
Und schon nach den ersten Takten ist klar: Die Jungs leben – und lieben – ihre Musik. Und wie das mit der Liebe manchmal so ist, erwidern nicht alle im Publikum den – sagen wir mal doch etwas kantigen – Sound der vier US-Amerikaner. In der Tat ist die Musik doch etwas lauter und hat nicht ganz das Filigrane, das die [em]-Stücke mehrheitlich ausgezeichnet hatte. Doch ist die Darbietung nicht schlecht – ganz im Gegenteil. Einzig den alles überlagernden Drum-Sound hätte ich mir ein paar Dezibel leiser gewünscht. Doch haben die Arrangements durchaus ihren Charme, wenngleich einen etwas spröden. Und auch die Musiker verstehen ihr Handwerk absolut. Viel Effektgerät-verzerrter Sound – auch beim Saxophon – prasselt auf das Publikum ein. Nach etwas über einer Stunde ist Schluss, und auch Rudder dürfen eine Zugabe geben. Fazit: Zwei schöne, aber grundverschiedene Konzerte und Musik auf hohem Niveau. Schade, dass nicht ein paar mehr Menschen ihren Weg in die Mainzer Altstadt gefunden haben, denn das war definitiv hörenswert.



