Monatsarchiv: September 2014

Immer wieder Sonntags…

sundayinbed7_rustyFreunde, es wird Herbst. Goldener Oktober, Kastaniensammeln, Drachen steigen lassen – alles geschenkt. Denn sind wir mal ehrlich: Meist ist der Herbst vor allem das hier: Grau. Neblig. Regnerisch. Und kalt. Vor allem kalt. Und was macht man, wenn es so ungemütlich ist? Richtig. Man bleibt im Bett. Genau das haben sich wohl auch die Macher der Compilation „Sunday In Bed“ gedacht. Schon in der siebten Edition fliegen die 30 Songs nun in die Online-Shops und CD-Abteilungen der Republik. Zeit, sich die Zusammenstellung einmal genauer anzuhören. Ganz am Anfang steht die Frage: Was für Musik braucht es eigentlich, um es sich im Bett gemütlich zu machen? Gut. Das ist natürlich eine reichlich subjektive Fragestellung. Nichtsdestotrotz würde ich mal die These aufstellen, dass es ruhig etwas abwechslungsreicher sein darf. Und genau das ist das Schöne an „Sunday In Bed Vol. 7“: Kein reines Chillout-Geschwurbel (bei dem man am Ende gleich wieder einschläft und den Rest der CD verpasst) sondern viele unterschiedliche Stilrichtungen, die für Abwechslung sorgen. Und – das ist die Kunst – dem Zuhörer nicht zu viel Konzentration und Transfervermögen abverlangen. So bieten die zwei CDs lupenreinem Jazz von Nick Waterhouse, der mit „Hands On The Clock“ einen Song von seinem neuesten Album „Holly“ beisteuert, genauso wie Schmuse-Soul von Amos Lee, der mit seinem Song „Flower“ vertreten ist. Doch auch Hiphop oder House sind zu finden. Letzterer Musikstil mit dem coolen Track „Hanging Gardens“ von Classixx auf „Sunday In Bed Vol. 7“ verewigt. Glanzpunkt und weiterer Anspieltipp: Das düstere, perkussiv-treibende „Smouldering Ashes“ von Sängerin Malia und Boris Blank, zweiter Mann der Schweizer Band Yello. Zum Abschluss senden die 1980er ein paar nette Grüße: Frankie Goes To Hollywood setzen mit der tropisch-relaxten, aus heutiger Sicht fast ein wenig trashig anmutenden Ballade „San José  (The Way)“ den gekonnten, weil stimmigen, Schlusspunkt. Einziger Wermutstropfen: Irgendwer muss den Rechner oder CD-Player anschalten. Und das funktioniert – zumindest bei mir – nicht ohne Aufstehen. Aber auch in wachem Zustand bleibt die Compilation das was sie ist: Eine schöne Zusammenstellung.

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Charmante Albumpräsentation: Hannah Köpf und Band gastieren in Wiesbaden

HANNAKÖPF_20140919_S_08Preisfrage: Was haben das Wiesbadener Walhalla-Theater, eine Ukulele und ein Lamm gemeinsam, das mit der Krone weggelaufen ist? Klar – es muss sich um ein Konzert von Hannah Köpf handeln! Doch von Anfang an…

Hannah Köpfs drittes Album „Lonely Dancer“ ist eine Wucht. Meinen Bericht dazu findet Ihr unter https://rustypictures.wordpress.com/2014/08/15/sing-another-song-hannah-kopf-prasentiert-drittes-album/. Nun ist die Kölner Künstlerin mit ihrer Band auf Deutschland-Tour – und machte dabei auch in der hessischen Landeshauptstadt Station.

HANNAKÖPF_20140919_S_01Mit ihren vier Mitstreitern präsentiert Hannah Köpf ein grandioses Potpourri aus den Songs ihres neuen Albums, hat aber auch Songs ihrer vorherigen Longplayer „Stories Untold“ und „Flying Free“ und – man höre und staune – von der hierzulande weitgehend unbekannten amerikanischen Singer-Songwriterin Judee Sill im Gepäck.

HANNAKÖPF_20140919_S_10Schon nach den ersten Takten wird klar: Der Sprung vom Studio auf die Bühne des Walhalla ist mehr als geglückt: Die Vocals sitzen, die Instrumentierung lässt keine Streicher, keine Blechbläsersätze vermissen. Überhaupt: Außer dem Stimmdoppler sind keine Synthesizer oder anderer elektronischer Schnickschnack im Aufgebot. Ob Piano, Kontrabass, Drums, Hannah Köpfs Ukulele und viele Gitarren – alles ist wie aus einem Guss. Die Musiker sind allesamt Multiinstrumentalisten. Besonders Bastian Ruppert wechselt beherzt zwischen Akustik- und E-Gitarre, weiß aber auch an der Posaune zu überzeugen. Gleiches gilt für Tim Dudek an den Drums, der nicht nur als Background-Sänger unterstützt, sondern auch mal zur Gitarre greift – und der das aktuelle Album „Lonely Dancer“ coproduziert hat.

HANNAKÖPF_20140919_S_11Doch zurück zum Konzert. Hannah Köpf präsentiert sich als wahrer Charmebolzen, zieht das Publikum sofort in ihren Bann und weiß zu jedem Song eine Anekdote oder die Entstehungsgeschichte beizusteuern. Ganz gleich ob „Hooked“, der vom Nervpotenzial der allgegenwärtigen Social Networks handelt, oder „The Lonesome Hill“, in dem sie sich wünscht, auch in vielen Jahrzehnten noch eine glückliche und erfüllte Beziehung zu führen, das Programm ist eine absolut gelungene Mischung. Und dann sind da noch die Songs von Judee Sill, die Hannah Köpf immer wieder einstreut. Gospelig. Groovend. Vor Blue-Notes nur so triefend. Gewöhnungsbedürftige Texte zwar, aber musikalisch ganz weit vorne. Und so kommen die Konzertbesucher auch in den Genuss des Lamms mit der Krone – denn die Zeile „But I laughed so hard, I cried, and the lamb ran away with the crown.“ wird bei der zweiten und letzten Zugabe zum hymnischen Kanon, bei dem sich das begeisterte Publikum und die Künstler auf der Bühne großartig ergänzen.

Schade, dass eine solche Künstlerin keine größeren Bühnen und keine größere Aufmerksamkeit bekommt, sie hätte es verdient. Für alle anwesenden Zuhörer aber ein unvergesslicher, intimer Abend! Die weiteren Tourdaten gibt es auf Hannahs Webseite unter http://www.hannahkoepf.com. Hingehen. Unbedingt.