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Urlaub für die Ohren

bsc_cuban_tapes_rustypicturesEin guter Bandname ist oft schon die halbe Miete. Von daher haben Bahama Soul Club schon einmal alles richtig gemacht. Doch kann auch die Musik überzeugen? Denn allzu häufig sind Namen doch Schall und Rauch… Oder wie war das?

Klare Antwort: Ja! Und zwar wie! Selbst mit dem Titel des neuen Albums „The Cuban Tapes“ nehmen die Musiker um den Braunschweiger Produzenten Oliver Belz den Mund nicht zu voll. Denn die CD groovt an allen Ecken und Enden.

Schon Track 1 „Ay Jona“ geht ordentlich nach vorne: Xylophon-Soli, ein jazziger, Bongo-lastiger Beat und dazu ein paar Gitarren-Akkorde, die verdächtig nach James Bond-Soundtrack klingen. Die Karibik scheint zum Greifen nahe. Aber – und das ist das Besondere am Longplayer – die Songs haben mehr zu bieten als nur den typischen 08/15 Latin-Sound: Mal ist es das fette Fender Rhodes wie bei Track 5 „Cuervo Gold“, mal ist es ein grandioser Blues-Einschlag mit druckvollem Bläsersatz und freakigen Hammond B3-Samples wie bei Track 6 „I Warned You Baby“. Und mal klingt Kuba verdächtig nach Acid Jazz, so könnte Track 11 „Grinning In Your Face“ auch gut von einem Incognito- oder Brand New Heavies-Album stammen. Dennoch: Der gemeinsame Nenner aller Titel ist und bleibt der Son Cubano, der kubanische Sound. Kein Wunder, sind doch viele der angesagten Künstler aus Havanna mit auf dem Album vertreten, darunter beispielsweise Danay Suarez oder Arema Arega.

Fazit: „The Cuban Tapes“ ist eine erfrischend andere Interpretation des kubanisch-inspirierten Musik-Genres – gemixt mit viel Kreativität, Spielfreude und einem Schuss Jazz. Einen Cuba Libre, por favor!

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Mittendrin statt nur dabei: Pat Appleton präsentiert zweites Solo-Album

Soulmusik auf Deutsch, daran haben sich schon viele versucht. Mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg. Heute habe ich das neue Album „Mittendrin“ von Pat Appleton bekommen – und eine Zugfahrt in den Süden steht an. Perfekt. Denn die 90 Minuten im ICE lassen sich mit Musik besser aushalten.

Und während wir Frankfurt langsam hinter uns lassen, liegen rund 40 Minuten deutsche Soulmusik vor mir. Pat Appleton, geboren in Aachen, mit sechs Jahren in die Heimat ihres Vaters, Liberia übergesiedelt und mit 18 wieder zurück nach Deutschland gekommen, hat schon viel gemacht. Immer wieder war sie Stimme von De-Phazz oder tourt mit dem Bahama Soul Club – unvergesslich ihr Auftritt auf dem Aalener Jazzfest 2009. Aber auch Songs mit Jazzkantine und den Nighthawks schmücken die Discografie. „Mittendrin“ ist ihr zweites Album, das in den Wintermonaten von 2009 bis 2010 entstand. Neben dem typisch souligen Sound, der mehr nach Blues, Pop und Rock als nach Funk klingt, sind es vor allem die deutschen Texte, die hinhören lassen. Dabei versteht sich Pat Appleton nicht als Lyrikerin, die mit großen Worten um sich wirft, sondern überzeugt mit authentischen Berichten und detailverliebten Beobachtungen, die ganz en passant für große Gefühle sorgen. Trotzdem bleibt Zeit für eine kleine Portion Augenzwinkern und Ironie – zum Beispiel im Song „Niemals“, der die Verwandlung vieler frischgebackener Eheleute zu Spießern auf die Schippe nimmt. Oder im Eröffnungstrack „Weißmehl“ – der eine groovende Liebeserklärung an Paris ist: „…doch diese Stadt war pures Gold für meine armen Hüften…“. Aber auch leisere Töne liegen der Künstlerin mit der warmen Stimme. Beim sanften Song „Geborgenheit“ gesteht sie, dass es doch eher die kleinen Dinge sind, die wirklich zählen – und glücklich machen.

Zusammen mit ihrem Produzenten Tobias Bublat ist Pat Appleton ein absolut hörenswertes und abwechslungsreich instrumentiertes Album gelungen, das nicht nur Fans von Stefan Gwildis, Roger Cicero, Max Mutzke & Co ans Herz gelegt sei. Die Bahnfahrt ist übrigens noch lange nicht zu Ende – Verspätung seit Mannheim. Gut für mich, denn so kann ich mich zurücklehnen und noch ein wenig länger zuhören.