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And I wonder why…

Wenn man bei youtube „Curtis Stigers“ eingibt, stößt man mit Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auf seinen größten Hit „I wonder why“ – immerhin einer der meistgespielten Walzer unserer Zeit, was sicherlich den vielen Tanzschulen geschuldet ist, die auf der Suche nach einem zeitgemäßen Lied im 3/4-Takt bei Mr. Stigers fündig geworden sind.

stigers_1In seinem Video zeigt sich der Mann am Saxofon stilecht im Look der frühen 90er-Jahre – mit langen Haaren und Schulterpolstern. Der Mann, der gestern abend im Frankfurter Hof die Bühne betritt, ist dagegen spürbar reifer: Die Haare sind kurz, der Anzug eng geschnitten, abgenommen hat er offenbar auch ein wenig. Und auch seine Musik hat sich gewandelt. Deutlich erwachsener und jazziger ist sie geworden.

Curtis Stigers ist spürbar gut gelaunt, der Frankfurter Hof fast ausverkauft. Schon nach dem ersten Song fängt er an, mit dem Publikum zu schäkern – die Stimmung ist klasse. Dabei präsentiert sich das musikalische Programm als sorgfältig ausgewählter Mix aus Jazz-Standards und behutsam „eingejazzten“ Popsongs, sowie ein paar selbstkomponierten Nummern. Von John Lennons „Jealous Guy“ über Tom Waits‘ „San Diego Serenade“ bis hin zum Jazzklassiker „Bye, Bye Blackbird“ oder Bob Dylans „I’ll Be Yours“ in einer ordentlich swingenden Version ist alles dabei. Dazwischen: „You’re All That Matters To Me“, ein Song, den der Mann am Tenor-Saxophon in den 90ern selbst geschrieben hat – und der beste Beweis dafür, dass auch ein sogenannter „Kuschel-Song“, versetzt mit ein paar Bluenotes und Jazz-Akkorden, richtig grooven kann!

In den Arrangements ist viel Platz für Soli, den die geniale Band perfekt zu nutzen weiß. Neben Cliff Schmitt am Kontrabass und Keith Hall an den Drums gefällt mir vor allem Matthew Fries am Piano. Improvisationsstark und extrem spielfreudig zeigt sich der New Yorker, der sich aber auch gerne zurücknimmt, um seinem Boss am Saxophon nicht die Show zu stehlen. Stigers selbst wechselt an diesem Abend häufig zwischen Sax und Gesang, und weiß auch schwierige Nummern gut zu intonieren – und zu instrumentieren. Am Ende – das war klar – zaubert Stigers natürlich noch „I wonder why“ aus der Klamottenkiste. Das Publikum hat darauf gewartet – und quittiert die ersten Akkorde stigers_2mit verzückten Ausrufen. Kein Vergleich zur ursprünglichen Version des Songs, sondern richtig guter Jazzpop. Und auch für eine Zugabe ist noch Zeit: Mit „In The Wee Small Hours Of The Morning“, einer Jazzballade aus den 1950ern (übrigens einer meiner Lieblingssongs von Jamie Cullum), schließt Curtis Stigers das Set – das Publikum ist sichtlich beeindruckt. Anschließend nimmt sich der charismatische Amerikaner noch die Zeit, CDs zu signieren. Ein Service, der an diesem Abend reichlich in Anspruch genommen wird.

Alles in allem ein cooles Konzert. And I Wonder Why – ich nicht schon früher auf die Idee gekommen bin, mich mal durch die neueren Songs von Curtis Stigers zu hören!

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