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Looking Back: Paul Carrack rockt den Frankfurter Hof

Nein. Beweisen muss der Mann wirklich niemandem mehr irgendwas. Dafür ist er schon zu lange im Musikgeschäft – und dafür hat er wirklich genügend Hits oder Gelegenheiten gehabt, auf sich und sein Talent aufmerksam zu machen. Paul Carrack geht aber trotzdem auf Tour. Und das ausgiebig, regelmäßig und mit viel Leidenschaft. Warum? Weil es ihm richtig viel Spaß bringt. Nicht mehr und nicht weniger. Und genau das merkt man auch.

Doch von Anfang an. Denn den Einstieg macht Lisbee Stainton. Junge 22 Jahre alt, steht sie ganz alleine mit ihrer Gitarre auf der Bühne. Das Mainzer Publikum weiß sie zu Beginn noch nicht so recht einzuordnen, doch das gibt sich schnell. Denn mit Lockenkopf, Charme und viel Talent führt die britische Singer-Songwriterin gekonnt durch die ersten vierzig Minuten des Abends und gewinnt die Sympathie der Zuhörerinnen und Zuhörer schon nach wenigen Augenblicken. Unaufgeregt, souverän, ja fast schon entspannt, überzeugt sie durch ihr sehr perkussives Gitarrenspiel, ohne dabei wie ein Abklatsch zu Milow oder dessen musikalischem Klon Mads Langer zu wirken. Die Songs stammen vom aktuellen Album „Girl On An Unmade Bed“.

Dann schlägt die Stunde der „Rocker“ – zumindest hört man sie schon laut neben der Bühne lärmen, noch bevor das Konzert richtig starten konnte. Und Paul Carrack gibt sich keine Blöße: Eben noch ein balladeverliebtes Album mit dem Royal Philharmonic Orchestra eingespielt, dann schnell ein paar Auftritte als Sänger zusammen mit der grandiosen SWR Big Band – und jetzt bringen er und seine vier „Jungs“ in Mainz als klassische Rock-Formation das Haus zum Kochen. Zugegeben – richtiger Hard-Rock klingt ein klein wenig anders, aber der gitarrenlastige Sound und die Arrangements weisen in eine eindeutige Richtung. Von Anfang an hat sich Paul Carrack selbst die E-Gitarre umgeschnallt, wechselt zwischendurch auf die akustische Version, weiter ans Keyboard und die Orgel – um schon beim nächsten Stück wieder die Saiten zu quälen. Die Augen fast immer fest zugekniffen, treibt er die Songs mit seiner markanten Stimme vorwärts. Kein Wunder, ist die Setliste mit 16 Songs plus Zugabe zum Bersten gefüllt. Und trotzdem ist er jederzeit Herr der Lage, zu keiner Zeit entsteht der Eindruck, dass sich irgendwer beeilen würde. Und das Publikum? Hängt an seinen Lippen. Fast alle Lieder sind bekannt, bei den großen Hits wie „Silent Running “, „Another Cup Of Coffee“ oder „How Long“ singt der ganze Saal.

Dass Paul Carrack es aber nicht nur mit dem Komponieren, Arrangieren und Singen richtig drauf hat, beweist er während der groovenden Nummer „Better Than Nothing“: Schlappe drei Soli haut der Brite hintereinander raus – auf drei verschiedenen Instrumenten versteht sich. Danach verlangsamt sich das Tempo der Songs wieder ein wenig, mit „The Living Years“ und „Love Will Keep Us Allive“ wird es schmusiger.

Am Ende – und darauf haben alle gewartet – gibt Paul Carrack mit „Looking Back (Over My Shoulder“ seinen wohl größten Hit zum Besten. Und das wird honoriert, denn das ganze Haus singt, klatscht und tanzt von der ersten bis zur letzten Reihe – besser könnte die Stimmung nicht sein – und besser könnte ein solches Konzert nicht enden. Noch auf dem Weg zum Parkhaus hört man die gepfiffene Melodie im unfreiwilligen Kanon – es scheint gefallen zu haben. Und mir auch.

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Nachgelegt: Lizz Wright gastiert in Mainz

Bloggen lebt ja eigentlich von der Aktualität. Eigentlich. Das Konzert von Lizz Wright in Mainz ist aber schon ein paar Tage Vergangenheit, deshalb ist es ausnahmsweise mal mit der Aktualität nicht ganz so weit her. Nichts desto trotz ein kurzer Bericht – also los!


Gospel und Soul sind zwar allseits bekannte – und von R&B bis Hip-Hop gern zitierte Musikstile – aber in ihrer Reinform doch eher selten geworden. Mal abgesehen von den Gospel-Chören, die sich hierzulande bevorzugt um die Weihnachtszeit und natürlich immer im Namen des Herrn die Taschen mit immergleichem Liedgut die Taschen füllen. Doch da hat die US-Amerikanerin schon einen anderen Anspruch, gottseidank!


Das Konzert im Frankfurter Hof startet mit kurzer Verspätung, der Saal ist prall gefüllt. Kein Keyboard oder Synth, dafür aber zwei Gitarren, Bass und ein Drumset stehen auf der Bühne. Gospel-Songs ohne den typischen Orgel-Sound? Klar, dass ein paar piano- oder eben orgellastige Songs des aktuellen Albums „Fellowship“ nicht mit auf der Setliste stehen. Aber das tut der Sache keinen Abbruch. Ganz im Gegenteil, denn die Jungs an den Gitarren entlocken ihren Instrumenten eine große Bandbreite an Sounds: Ob akustisch gezupft, Aufgeladen mit Effekten oder Gezogen mit dem Slide. Herrlich! Lizz Wright steht auf der Bühne. Barfuß. Weißes Kleid mit schwarzer Stola. Die Augen geschlossen, ein Lächeln umspielt ihre Lippen. Und dann singt sie die ersten Zeilen ihres Songs „Old Man“. Bluesig. Soulig. Voller Gefühl. Und nimmt ihr Publikum dabei mit auf eine musikalische Reise durch die amerikanischen Südstaaten. Mal geht es in schnellen Schritten voran, mal scheint die Sängerin still zu stehen und innezuhalten. Und diese Abwechslung tut gut, die vierzehn Songs inklusive eines schönen Gospel-Medleys als Zugabe vergehen wie im Flug.

Tonight: Jazz Today – Lisa Bassenge und Jacky Terrasson im Frankfurter Hof

Der Abend des 19. Februar im Frankfurter Hof zeigte sich kontrastreich: Die erste Hälfte bestritt die Berlinerin Lisa Bassenge mit ihrer Band „Katapult“, nach kurzer Pause folgte der – ebenfalls in Berlin geborene – Pianist Jacky Terrasson mit seinem Trio. Zweimal Jazz – und doch zwei grundverschiedene Ansätze.

Lisa Bassenge, die gerade ihr neues Album „Nur Fort“ vorgestellt hat, präsentiert den Jazz auf der Bühne abwechslungsreich und von einer poppig-bunten und federleichten Seite – der oft genauso wirkt wie die überdimensionalen Luftballons, die es als bekanntes Motiv vom Cover-Foto mit auf die Bühne geschafft haben. Von arabesken Melodien über rockige Nummern bis hin zu leichtem Swing ist für jeden etwas dabei – solide instrumentiert von der vierköpfigen Band, gewürzt mit ordentlichen Solo-Darbietungen. Besonders Gitarrist Christian Kögel gefällt mit seiner Spielfreude und seinen Improvisationen. Das Besondere an diesem Abend sind die vielen deutschen Texte von Songs wie „In dieser Stadt“ oder „17 Millimeter fehlen“ von Hildegard Knef. Aber auch der von Joachim Witt zu besten NDW-Zeiten getextete Song „Kosmetik“ oder die lyrische Element Of Crime-Ballade „Seit der Himmel“ kommen beim Publikum an. Zwischenfazit: Grundsolide und gut gemacht, aber in wenigen Momenten auch hart an der Grenze zum Seichten. Und dass Lisa Bassenge bei zwei Songs den Text kurz vergisst ist schade, aber nicht weiter tragisch.

Ganz anders hat Jacky Terrasson den Jazz für sich definiert. Sein Konzert ist bester, typischer Trio-Jazz – und doch wieder nicht. Dass Songs auch mal 20 Minuten dauern, Michael Jacksons „Beat It“ mit dem „Harry Potter Theme“ zu einer neuen Version von „Body And Soul“ gekreuzt werden und zwischendurch noch „Somewhere Over The Rainbow“ einfließt, zeugt von der enormen Experimentierfreude der drei Musiker. Alle sind im Niveau ebenbürtig, jeder kann die musikalischen Fragen der anderen perfekt parieren. Terrasson selbst setzt gerne und bewusst Dissonanzen ein um neue Klangkonstrukte zu schaffen, wirkt perfektionistisch, verbissen, dann wieder ein bisschen freaky, streckenweise leicht narzisstisch. Aber: Mit seinen Arrangements gewinnt er sogar Songs wie dem guten alten Jazz-Standard „Caravan“ noch ein paar neue Seiten ab. Große Kunst, die zu recht mit tosendem (Szenen-)Applaus vom ausverkauften Frankfurter Hof honoriert wird.

Zum Schluss kommen auch Lisa Bassenge und Band noch einmal zurück auf die Bühne, um zusammen mit Jacky Terrasson das Cover „Use Me“, im Original von Bill Withers, zu performen. Leider relativiert Lisa Bassenge den vorher hinterlassenen, guten Eindruck. Nicht unbedingt, weil sie wieder beim Text patzt, sondern – viel unangenehmer – weil sie viel zu nervös wirkt und fast nur schrille Töne auf das Publikum niederprasseln. Schade, denn musikalisch war auch diese Zugabe ein echter Leckerbissen.

 

Jazz in Mainz mit Ecken und Kanten

Wenn Michael Wollny zum Konzert einlädt, dann ist das eher nichts für Freunde von Fahrstuhlmusik oder Easy Listening. Schon gar nicht, wenn Wollny zusammen mit seinem Trio [em] auftritt – und der zweite Teil des Abends von der New Yorker Combo Rudder bestritten wird. Ende Oktober machten beide Bands im Rahmen der Reihe „Jazz 2 day“ im Frankfurter Hof in Mainz Station.

Das in klassischer Besetzung Drums (Eric Schaefer), Kontrabass (Eva Kruse) und Piano (Michael Wollny) besetzte Trio startet zwar mit leichten Tonproblemen am Bass in den Auftritt, doch die sind bald behoben – und es geht mit Songs wie „Phlegma Fighter“ oder „Flowers“ vom aktuellen Album voll zur Sache. Wollny eilt der Ruf voraus ein experimentierfreudiger Perfektionist an den Tasten zu sein. Und genau das merkt man ihm auch an. Er ist voll konzentriert, wirkt fast ein wenig verbissen, spielt dabei aber unglaublich präzise. Seine Bandbreite reicht von filigranen Improvisationen über harmonische Akkordfolgen bis hin zu derberen Passagen, bei denen auch mal der ganze Unterarm auf der Klaviatur zum landet. Die Musik selbst ist Jazz auf höchstem Niveau, angetrieben durch eine grandiose Rhythmusgruppe – Eric Schaefer an den Drums geht Wollnys Tempo locker mit, greift dabei aber ebenfalls in die Trickkiste und rasselt einer Eisenkette, knistert mit Reisig oder flötet mit einer Harmonika ins Mikro. Auch Eva Kruse am Kontrabass fügt sich perfekt in die Arrangements ein, entlockt ihrem Instrument hohe, tiefe und schrille Töne, spielt perfekte Soli und ergänzt Wollnys expressives Spiel optimal. Nach einer Stunde plus Zugabe ist Pause, jetzt gehört die Bühne den vier Jungs von Rudder. Auffälligster Unterschied: Der Flügel ist verschwunden – dafür werden zwei Synthesizer hereingetragen.

Und schon nach den ersten Takten ist klar: Die Jungs leben – und lieben – ihre Musik. Und wie das mit der Liebe manchmal so ist, erwidern nicht alle im Publikum den – sagen wir mal doch etwas kantigen – Sound der vier US-Amerikaner. In der Tat ist die Musik doch etwas lauter und hat nicht ganz das Filigrane, das die [em]-Stücke mehrheitlich ausgezeichnet hatte. Doch ist die Darbietung nicht schlecht – ganz im Gegenteil. Einzig den alles überlagernden Drum-Sound hätte ich mir ein paar Dezibel leiser gewünscht. Doch haben die Arrangements durchaus ihren Charme, wenngleich einen etwas spröden. Und auch die Musiker verstehen ihr Handwerk absolut. Viel Effektgerät-verzerrter Sound – auch beim Saxophon – prasselt auf das Publikum ein. Nach etwas über einer Stunde ist Schluss, und auch Rudder dürfen eine Zugabe geben. Fazit: Zwei schöne, aber grundverschiedene Konzerte und Musik auf hohem Niveau. Schade, dass nicht ein paar mehr Menschen ihren Weg in die Mainzer Altstadt gefunden haben, denn das war definitiv hörenswert.

 

Musikmarathon im Frankfurter Hof – das Landesjazzfest Rheinland-Pfalz feiert Premiere

Seit seinem Bestehen ist der Frankfurter Hof in Mainz Anlaufstelle für Jazz-Größen der ganzen Welt. Von Aziza Mustafa Zadeh aus Aserbaidschan über das Nguyên Lê Trio mit vietnamesischen Wurzeln bis hin zu Curtis Stigers aus den USA oder Ulf Wakenius aus Schweden. Doch am Abend des 18. September schien Goethes Leitspruch „Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah?“ das Motto gewesen zu sein. Zum ersten Mal fand das von der Landesarbeitsgemeinschaft Jazz Rheinland-Pfalz e. V. initiierte Landesfest statt. Drei Bands aus Trier, Seeheim-Jugenheim und Mainz standen auf dem Programm. Krönender Abschluss: Das Trio Cholet-Känzig-Papaux aus der französischen Partnerregion Burgund.

Ein vielversprechender Abend mit Musik auf hohem Niveau. Aber immer schön der Reihe nach. Den Anfang machte kurz nach 19 Uhr die Bachband. Swingend, spielfreudig und entspannt wandern die fünf Musiker um Frontmann Ralf Bach stilistisch quer durch den Gemüsegarten. Ganz gleich ob mit Hardbop, Blues, Ausflügen in Richtung 12-Ton-Musik oder der orientalisch angehauchte Nummer „Maghreb“, für die Klaus Doldingers „Passport To Morocco“ Pate gestanden haben könnte: Die Band überzeugt, besonders gefallen die beiden Blechbläser, Helmut „Daisy“ Becker an Trompete und Flügelhorn und Stefan Reinholz am Sax. Fast eine ganze Stunde spielen die Trierer.

Nächster Programmpunkt: Das Andreas Hertel Quintett. „Dass wir von der Fachjury der Landesarbeitsgemeinschaft Jazz unter allen Bewerbern für das Landesjazzfest Rheinland-Pfalz auf den ersten Platz gewählt wurden, ist für mich als Musiker und Komponist eine schöne Anerkennung“, sagt der sympathische Leiter des Quintetts. „Es macht mir einfach am meisten Spaß, mit anderen zusammen zu spielen und zu improvisieren, denn das ist der Grund, warum ich Musiker geworden bin – und das Spielen ist eines meiner Lebenselixiere. Diese Freude möchte ich natürlich mit dem Publikum teilen!“ Und das tun der virtuose Pianist und seine Bandkollegen zweifelsohne – und zwar auf hohem Niveau. Dabei sind alle fünf Musiker, die sich alle während des Studiums an der Musikhochschule Mainz kennengelernt haben, absolute Meister ihres Fachs.Perlende Improvisationen, groovende Rhythmen, tolle Harmoniefolgen – und vor allem grandiose Soli prasseln nur 35 Minuten auf das Publikum ein, das nicht mit Applaus geizt und sicher gerne noch ein, zwei Songs als Zugabe gehört hätte.

Nach einer weiteren Umbaupause ist Stefanie Wagners Quinsch an der Reihe. Die aus Seeheim-Jugenheim stammende Flötistin beweist eindrucksvoll, dass ein Jazz-Quintett nicht zwingend eine Trompete braucht. Ganz im Gegenteil: Schon die erste Nummer „McCoy“, inspiriert vom Jazzpianisten McCoy Tyner überzeugt auf Anhieb – und die virtuos gespielte Querflöte lässt nichts vermissen. Die Eigenkompositionen der charismatischen Bandleaderin klingen abwechslungsreich und vielschichtig, präsentieren sich teils als flotter Bossa oder im halsbrecherischen 7/4-Takt. Mit einem Exkurs in verschiedene Spieltechniken, bei dem Stefanie Wagner der Querflöte durch Summen, Singen und Klopfen die verschiedensten Klänge entlockt, verabschieden sich die Künstler nach etwas mehr als einer halben Stunde vom hochzufriedenen Publikum.

Kurz vor 23 Uhr – die Reihen haben sich schon merklich gelichtet – kommt das Trio Cholet-Känzig-Papaux auf die Bühne. Die drei Musiker aus dem Burgund präsentieren harmonie- und detailverliebten Modern-Jazz in der klassischen Trio-Besetzung Schlagzeug, Bass und Klavier. Am Ende krönt ein zwanzig-minütiges Stück den Auftritt. Doch das Publikum hat gar nicht die Chance nach einer Zugabe zu rufen, die Musiker winken gleich ab und die Lichter gehen an. Kein Wunder, denn nach fast fünf Stunden im Frankfurter Hof hat die Aufnahmefähigkeit der meisten Zuhörer schon merklich abgenommen – schließlich stand den Abend über ja nicht gerade Easy Listening Musik auf dem Programm. Ein ganztägiges Festival mit mehreren Konzerten, längeren Pausen und Auftritten, bei denen auch Zeit für eine Zugabe bleibt, hätte sicher gut getan. Aber vielleicht beim nächsten Mal, denn eine Fortsetzung des Festivals im kommenden Jahr ist bereits geplant. Vielleicht dann unter dem Motto „Man soll immer aufhören, wenn es am Schönsten ist!“

Großartige Musik und ein Unwetter zur Pause – David Sanborn und Tower Of Power in Mainz

Die Stimmung ist gut, die Sonne knallt vom Himmel – fehlen eigentlich nur noch die passende Musik und ein kühles Bier. Genauso sollte ein Open Air Konzert beginnen! Kaum ausgesprochen, geht es auch schon los, als Saxophonist David Sanborn, Drummer-Legende Steve Gadd und Organist Joey DeFrancesco am Mittwoch, den 14. Juli um kurz nach sieben die Bühne im Mainzer Volkspark betreten. Bluesig und soulig startet der Abend, die drei Spitzenmusiker sind gut gelaunt und haben merklich Spaß daran, das zahlreich erschienene Publikum mit ihren Songs zu unterhalten. Die meisten stammen von Sanborns jüngstem Album „Only Everything“ und glänzen durch brilliante Arrangements und furiose Soli auf allen drei Instrumenten. Mit dabei sind aber auch Songs wie „Let The Good Times Roll“ oder dem Jazz-Standard „Basin Street Blues“. Der Mann an der Orgel singt hier und da mit weicher Stimme.

Fast scheint alles perfekt, aber dann wird schnell klar, was Sache ist. Innerhalb von Minuten verdunkelt sich der Himmel, Blitze zucken von allen Seiten. Und während die ersten Gäste schon die Flucht ergreifen, fliegen Bauzäune durch die Gegend, brechen meterlange Äste von den Bäumen und Sonnenschirme fliegen davon. Kurz, bevor die Welt ganz unterzugehen scheint, kämpft sich Ludwig Jantzer, Programmplaner des Frankfurter Hofs und verantwortlich für die „Summer in the City“-Konzerte, durch Regen und heftige Windböen nach vorne ans Mikrofon und verkündet, dass es nach dem Unwetter mit Tower Of Power weitergehen wird.

Rund eine halbe Stunde später hat sich der Sturzbach vom Himmel in ein paar harmlose Tröpfchen verwandelt, der Himmel ist heller, die Luft merklich abgekühlt. Es kann also weitergehen. Die Uhr zeigt Viertel von neun, als die Soul & Funk-Titanen aus Oakland, Kalifornien, die ersten Grooves auf das fast vollständig zurückgekehrte Publikum loslassen. Dass die Stühle nass sind, scheint kaum jemand zu interessieren, denn spätestens ab Lied Nummer 2, „Soul With A Capital S“ grooven und tanzen fast alle im Stehen. Bei „Only So Much Oil In The Ground“, mit Sicherheit ein kleiner Seitenhieb auf die andauernden Versuche, das Ölbohrloch im Golf von Mexiko zu schließen, steht der gesamte Volkspark. Es folgt der für „TOP“ so typische Mix aus souligen Balladen und teuflisch groovenden Uptempo-Stücken, alten Songs aus den 1970er und 1980er Jahren bis hin zum aktuellen Cover „Me And Mrs. Jones“, gekrönt durch die absolut beeindruckende Stimme von Larry Braggs, dem Mann am Mikrofon. Natürlich dürfen auch die obligatorischen Tracks wie „What Is Hip?“ oder „Diggin‘ On James Brown“ nicht fehlen. Letzteres ist eingebettet in das Medley „Star Time“, welches vom neuesten Album „Great American Soulbook“ stammt – und eine Verbeugung vor dem verstorbenen Meister des Rhythm & Blues höchstselbst ist. Erstmals mit der Band auf Deutschland-Tour ist Gitarrist Jerry Cortez. Und der Mann überzeugt auf Anhieb, spielt gleich mehrere brilliante Soli und weiß auch gestandene Tower Of Power Fans, die ja eher Verfechter des Blechbläser-lastigen Sounds sind, innerhalb von Sekunden mit seiner Spielfreude zu überzeugen.

Nach rund 85 Minuten ist Schluss, mit den beiden Zugaben „You’re Still A Young Man“ und dem Kracher „Souled Out“ entlassen die US-Amerikaner ihr hochzufriedenes Publikum in die mittlerweile laue Sommernacht. An ein Gewitter kann sich kaum noch jemand erinnern, höchstens ein kleines bißchen Wetterleuchten, denn zwei so grandiose Konzerte lassen alle anderen Eindrücke des Abends einfach verblassen, äh… abblitzen, pardon: im Regen stehen!

Is it love? Marit Larsen rockt Mainz

Eingängige Songs kann sie schreiben, eine schöne Stimme hat sie auch – und zwei Nominierungen für den Echo ebenfalls. Aber kann sie auch live überzeugen? Mit einem (kurzen) Satz: Ja – Sie kann! Selten habe ich den Frankfurter Hof so gefüllt gesehen, selten war die Stimmung von Anfang an so gut – und selten waren so viele Wiederholungstäter im Publikum, denn Norwegens Charme-Export Nr. 1, Marit Larsen, war am 02. März bereits zum zweiten Mal Gast in Mainz, und natürlich wieder ausverkauft.

Nach der deutschen Band Samuel Harfst, die mit gut gemachtem Gitarren-Pop und eingängigen Texten übereugt, kommt Marit Larsen mit ihrer fünfköpfigen Band gegen 21 Uhr auf die Bühne. Dabei präsentiert sich die 26-jährige Skandinavierin mal ruhig, mal fetzig bis rockig – und verpflechtet sogar geschickt Folk- und Country-Elemente in ihren Pop-Songs. Sicher, Marit Larsen’s Songs sind nicht die komplexesten und die Themenauswahl der Texte ist ebenfalls recht eindimensional. Aber: Ihre Musik macht gute Laune und geht ins Ohr. Mit kristallklarer, mädchenhafter Stimme begeistert Marit Larsen ihr doch recht junges Publikum und wechselt fast mit jedem Song ihr Instrument: Mal sitzt sie am Piano, mal hat sie die Konzertgitarre umgeschwungen – mal nimmt sie sich sogar die Mandoline vor. Kleiner Wehmutstropfen: Die Band scheint hinter ihren Möglichkeiten zurück zu bleiben, Zeit für Soli oder Improvisationen ist leider keine. Das Programm präsentiert sich als guter Mix aus Balladen und schnelleren Nummern, die Lieder stammen fast ausnahmslos aus ihrem aktuellen Album, darunter „Is It Love?“ oder die zweite Single-Auskopplung „Under The Surface“.

Nach gut einer Stunde ist es soweit, alle haben darauf gewartet und die Begeisterung des Mainzer Publikums scheint keine Grenzen zu kennen: Als Marit Larsen die ersten Zeilen ihres Nummer 1 Hits „If A Song Could Get Me You“ anstimmt, bricht ein wahrer Sturm der Begeisterung los, der in ein kollektives Mitsingen mündet. Ein tolles Ende für ein unterhaltsames Konzert!