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Tonight: Jazz Today – Lisa Bassenge und Jacky Terrasson im Frankfurter Hof

Der Abend des 19. Februar im Frankfurter Hof zeigte sich kontrastreich: Die erste Hälfte bestritt die Berlinerin Lisa Bassenge mit ihrer Band „Katapult“, nach kurzer Pause folgte der – ebenfalls in Berlin geborene – Pianist Jacky Terrasson mit seinem Trio. Zweimal Jazz – und doch zwei grundverschiedene Ansätze.

Lisa Bassenge, die gerade ihr neues Album „Nur Fort“ vorgestellt hat, präsentiert den Jazz auf der Bühne abwechslungsreich und von einer poppig-bunten und federleichten Seite – der oft genauso wirkt wie die überdimensionalen Luftballons, die es als bekanntes Motiv vom Cover-Foto mit auf die Bühne geschafft haben. Von arabesken Melodien über rockige Nummern bis hin zu leichtem Swing ist für jeden etwas dabei – solide instrumentiert von der vierköpfigen Band, gewürzt mit ordentlichen Solo-Darbietungen. Besonders Gitarrist Christian Kögel gefällt mit seiner Spielfreude und seinen Improvisationen. Das Besondere an diesem Abend sind die vielen deutschen Texte von Songs wie „In dieser Stadt“ oder „17 Millimeter fehlen“ von Hildegard Knef. Aber auch der von Joachim Witt zu besten NDW-Zeiten getextete Song „Kosmetik“ oder die lyrische Element Of Crime-Ballade „Seit der Himmel“ kommen beim Publikum an. Zwischenfazit: Grundsolide und gut gemacht, aber in wenigen Momenten auch hart an der Grenze zum Seichten. Und dass Lisa Bassenge bei zwei Songs den Text kurz vergisst ist schade, aber nicht weiter tragisch.

Ganz anders hat Jacky Terrasson den Jazz für sich definiert. Sein Konzert ist bester, typischer Trio-Jazz – und doch wieder nicht. Dass Songs auch mal 20 Minuten dauern, Michael Jacksons „Beat It“ mit dem „Harry Potter Theme“ zu einer neuen Version von „Body And Soul“ gekreuzt werden und zwischendurch noch „Somewhere Over The Rainbow“ einfließt, zeugt von der enormen Experimentierfreude der drei Musiker. Alle sind im Niveau ebenbürtig, jeder kann die musikalischen Fragen der anderen perfekt parieren. Terrasson selbst setzt gerne und bewusst Dissonanzen ein um neue Klangkonstrukte zu schaffen, wirkt perfektionistisch, verbissen, dann wieder ein bisschen freaky, streckenweise leicht narzisstisch. Aber: Mit seinen Arrangements gewinnt er sogar Songs wie dem guten alten Jazz-Standard „Caravan“ noch ein paar neue Seiten ab. Große Kunst, die zu recht mit tosendem (Szenen-)Applaus vom ausverkauften Frankfurter Hof honoriert wird.

Zum Schluss kommen auch Lisa Bassenge und Band noch einmal zurück auf die Bühne, um zusammen mit Jacky Terrasson das Cover „Use Me“, im Original von Bill Withers, zu performen. Leider relativiert Lisa Bassenge den vorher hinterlassenen, guten Eindruck. Nicht unbedingt, weil sie wieder beim Text patzt, sondern – viel unangenehmer – weil sie viel zu nervös wirkt und fast nur schrille Töne auf das Publikum niederprasseln. Schade, denn musikalisch war auch diese Zugabe ein echter Leckerbissen.

 

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Jazz in Mainz mit Ecken und Kanten

Wenn Michael Wollny zum Konzert einlädt, dann ist das eher nichts für Freunde von Fahrstuhlmusik oder Easy Listening. Schon gar nicht, wenn Wollny zusammen mit seinem Trio [em] auftritt – und der zweite Teil des Abends von der New Yorker Combo Rudder bestritten wird. Ende Oktober machten beide Bands im Rahmen der Reihe „Jazz 2 day“ im Frankfurter Hof in Mainz Station.

Das in klassischer Besetzung Drums (Eric Schaefer), Kontrabass (Eva Kruse) und Piano (Michael Wollny) besetzte Trio startet zwar mit leichten Tonproblemen am Bass in den Auftritt, doch die sind bald behoben – und es geht mit Songs wie „Phlegma Fighter“ oder „Flowers“ vom aktuellen Album voll zur Sache. Wollny eilt der Ruf voraus ein experimentierfreudiger Perfektionist an den Tasten zu sein. Und genau das merkt man ihm auch an. Er ist voll konzentriert, wirkt fast ein wenig verbissen, spielt dabei aber unglaublich präzise. Seine Bandbreite reicht von filigranen Improvisationen über harmonische Akkordfolgen bis hin zu derberen Passagen, bei denen auch mal der ganze Unterarm auf der Klaviatur zum landet. Die Musik selbst ist Jazz auf höchstem Niveau, angetrieben durch eine grandiose Rhythmusgruppe – Eric Schaefer an den Drums geht Wollnys Tempo locker mit, greift dabei aber ebenfalls in die Trickkiste und rasselt einer Eisenkette, knistert mit Reisig oder flötet mit einer Harmonika ins Mikro. Auch Eva Kruse am Kontrabass fügt sich perfekt in die Arrangements ein, entlockt ihrem Instrument hohe, tiefe und schrille Töne, spielt perfekte Soli und ergänzt Wollnys expressives Spiel optimal. Nach einer Stunde plus Zugabe ist Pause, jetzt gehört die Bühne den vier Jungs von Rudder. Auffälligster Unterschied: Der Flügel ist verschwunden – dafür werden zwei Synthesizer hereingetragen.

Und schon nach den ersten Takten ist klar: Die Jungs leben – und lieben – ihre Musik. Und wie das mit der Liebe manchmal so ist, erwidern nicht alle im Publikum den – sagen wir mal doch etwas kantigen – Sound der vier US-Amerikaner. In der Tat ist die Musik doch etwas lauter und hat nicht ganz das Filigrane, das die [em]-Stücke mehrheitlich ausgezeichnet hatte. Doch ist die Darbietung nicht schlecht – ganz im Gegenteil. Einzig den alles überlagernden Drum-Sound hätte ich mir ein paar Dezibel leiser gewünscht. Doch haben die Arrangements durchaus ihren Charme, wenngleich einen etwas spröden. Und auch die Musiker verstehen ihr Handwerk absolut. Viel Effektgerät-verzerrter Sound – auch beim Saxophon – prasselt auf das Publikum ein. Nach etwas über einer Stunde ist Schluss, und auch Rudder dürfen eine Zugabe geben. Fazit: Zwei schöne, aber grundverschiedene Konzerte und Musik auf hohem Niveau. Schade, dass nicht ein paar mehr Menschen ihren Weg in die Mainzer Altstadt gefunden haben, denn das war definitiv hörenswert.

 

Is it love? Marit Larsen rockt Mainz

Eingängige Songs kann sie schreiben, eine schöne Stimme hat sie auch – und zwei Nominierungen für den Echo ebenfalls. Aber kann sie auch live überzeugen? Mit einem (kurzen) Satz: Ja – Sie kann! Selten habe ich den Frankfurter Hof so gefüllt gesehen, selten war die Stimmung von Anfang an so gut – und selten waren so viele Wiederholungstäter im Publikum, denn Norwegens Charme-Export Nr. 1, Marit Larsen, war am 02. März bereits zum zweiten Mal Gast in Mainz, und natürlich wieder ausverkauft.

Nach der deutschen Band Samuel Harfst, die mit gut gemachtem Gitarren-Pop und eingängigen Texten übereugt, kommt Marit Larsen mit ihrer fünfköpfigen Band gegen 21 Uhr auf die Bühne. Dabei präsentiert sich die 26-jährige Skandinavierin mal ruhig, mal fetzig bis rockig – und verpflechtet sogar geschickt Folk- und Country-Elemente in ihren Pop-Songs. Sicher, Marit Larsen’s Songs sind nicht die komplexesten und die Themenauswahl der Texte ist ebenfalls recht eindimensional. Aber: Ihre Musik macht gute Laune und geht ins Ohr. Mit kristallklarer, mädchenhafter Stimme begeistert Marit Larsen ihr doch recht junges Publikum und wechselt fast mit jedem Song ihr Instrument: Mal sitzt sie am Piano, mal hat sie die Konzertgitarre umgeschwungen – mal nimmt sie sich sogar die Mandoline vor. Kleiner Wehmutstropfen: Die Band scheint hinter ihren Möglichkeiten zurück zu bleiben, Zeit für Soli oder Improvisationen ist leider keine. Das Programm präsentiert sich als guter Mix aus Balladen und schnelleren Nummern, die Lieder stammen fast ausnahmslos aus ihrem aktuellen Album, darunter „Is It Love?“ oder die zweite Single-Auskopplung „Under The Surface“.

Nach gut einer Stunde ist es soweit, alle haben darauf gewartet und die Begeisterung des Mainzer Publikums scheint keine Grenzen zu kennen: Als Marit Larsen die ersten Zeilen ihres Nummer 1 Hits „If A Song Could Get Me You“ anstimmt, bricht ein wahrer Sturm der Begeisterung los, der in ein kollektives Mitsingen mündet. Ein tolles Ende für ein unterhaltsames Konzert!

Marit Larsen – Norwegischer Pop am 02.03. in Mainz

Schon seit Mitte der 1990er Jahre macht Marit Larsen Pop-Musik – anfangs noch als Teil des Duos M2M, seit 2002 wandelt die Künstlerin auf Solo-Pfaden. In Norwegen ist sie bereits ein gefeierter Star, hierzulande ist sie spätestens seit ihrem Song “If A Song Could Get Me You” bekannt, der innerhalb kürzester Zeit auf Platz eins der deutschen Charts klettern konnte.
Trotzdem ist die charmante Singer-Songwriterin auf dem Boden geblieben. Kurz vor Beginn ihrer USA-Tournee im Frühjahr kommt Marit Larsen am Dienstag, den 02. Februar für ein Zusatzkonzert in den Frankfurter Hof nach Mainz