Schlagwort-Archive: Manu Katché

Innovativer Jazz mit viel Gefühl

Während die meisten Schlagzeuger ihre Instrumente eher dazu nutzen, es so richtig krachen zu lassen, geht Manu Katché seit jeher eine andere Richtung. Gefühlvoll, feinsinnig und mit überragendem Talent für großartige Arrangements. Nun legt der Drummer ein neues Studio-Album, das nur seinen Namen trägt: Manu Katché.

Seine Musikerkarriere hatte Manu Katché als Pianist begonnen – kein Wunder also, dass ihm so filigrane Arrangements wie die des jüngsten Longplayers gelingen – denn er betrachtet die Musik nicht nur durch die Brille des Rhythmusgebers. Vermutlich ist es genau das, was seine Songs – und übrigens auch die der zurückliegenden Alben „Playground“, „Neighbourhood“ und „Third Round“ so leichtfüßig erscheinen lässt.

Zugegebenermaßen: Der vorliegende Longplayer ist beim ersten Hören nicht ganz so zugänglich wie mancher seiner Vorgänger. Dies mag vor allem daran liegen, dass neben Katché selbst nur der norwegische Saxophonist Tore Brunborg von der Besetzung des zurückliegenden Albums „Third Round“ übrig geblieben ist. Das System dahinter: „Wenn Du Deine Musik alleine schreibst, bist Du Dir immer Deiner Grenzen bewusst. Es hilft, die Musiker zu tauschen, mit denen Du spielst. Denn die bringen Dinge mit ein, die Du nicht erwartest“, sagt Katché. Zusätzlich waren der ebenfalls aus Norwegen stammende Trompeter und Elektrojazz-Pionier Nils Petter Molvær sowie Jim Watson, der für Piano und Orgel verantwortlich zeichnet, mit im südfranzösischen Studio.

Doch die anfängliche Verschlossenheit von „Manu Katché“ verschwindet schon beim zweiten und dritten Hören: Die Songs gewinnen an Tiefgang, unzählige, kleinen Details eröffnen sich dem geneigten Hörer – und auch die zum Teil komplexen Harmoniekonstrukte und virtuosen Improvisationen aller vier Musiker treten zum Vorschein. Ganz wie ein guter Wein im Glas entfaltet sich die CD erst nach und nach und gibt dem Hörer mehr und mehr von sich preis. Doch muss man kein erfahrener Jazzer sein, um die hohe musikalische Qualität von „Manu Katché“ zu erkennen, denn das Album ist innovativer Jazz vom Feinsten. Sicher, manche Stücke, wie beispielsweise „Beats & Bounce“ oder „Walking By Your Side“ bleiben ein wenig düster, was vor allem den sphärischen, effektbelegten  Trompetenklängen und flächigen Loops von Nils Petter Molvær geschuldet ist. Aber ein gutes Album lebt davon, Abwechslung zu bieten, die Stimmungen, Klangfarben und Tongeschlechte zu wechseln. „Loose“ oder „Imprint“ verkörpern die positiven, warmen Töne. Immer präsent: Manu Katché am Drumset, jedoch ohne sich dabei penetrant in den Vordergrund zu drängen oder seine Mitspieler an die Wand zu spielen. Statt dessen: Viel filigranes Beckenspiel, wie eingeölt rollende Fill-ins und gekonnt gesetzte Off-Beats in jedem neuen Song. Dass kein Bassist mit im Studio war merkt man erst, wenn man ins Booklet schaut. Denn Jim Watson, der am Piano und der Hammond B3 quasi alleine für die Harmonien und tiefen Töne zuständig ist, überzeugt in seiner Rolle voll und ganz.

Fazit: Wirklich innovativer Jazz mit viel Gefühl und einem überragenden Manu Katché als Arrangeur, Drummer – und Pianist, denn beim zehnten Song „Dusk On Carnon“ greift er selbst in die Tasten. Absolut hörenswert!

„Manu Katché“ ist Mitte Oktober 2012 beim Münchner Label ECM Records erschienen.

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Würdevoll geschlagen: Drummer Manu Katché gastiert beim Rheingau Musik Festival 2010

„Open Air im Rheingau oder doch lieber Wiesbadener Kurhaus?“ – das war die wohl meist diskutierte Frage unter all denjenigen, die eine Karte für das Manu Katché Konzert am 11. August ergattern konnten. Um 12 Uhr fiel die Entscheidung: Kurhaus. Der Deutsche Wetterdienst hatte gesprochen. Eine Stunde später als auf Schloss Vollrads, um 20 Uhr, kommt Manu Katché samt dreiköpfiger Band auf die Bühne des Thiersch-Saals. Das ausverkaufte Haus tobt, obwohl das Ausnahmetalent am Schlagzeug noch keinen Ton gespielt hat.

Der Abend steht ganz im Zeichen des aktuellen Albums „Third Round“. Und schon die CD gibt einen ersten Vorgeschmack auf das, was in den nächsten 90 Minuten folgt: Eine spielfreudige Band, „dirigiert“ und angetrieben durch den Mann am Schlagzeug. Er ist Triebwerk und Treibstoff, Navigator und Kapitän in einer Person. Dabei versteht er es wie kein Zweiter seines Fachs, die zu Zuhörer zu verzaubern. Im Gegensatz zu den Meisten seiner Kollegen am Drumset schafft er den perfekten Spagat zwischen lauten und leisen Tönen. Er steht nur selten direkt im Mittelpunkt, ist aber immer involviert. Unaufdringlich, markant, mit sehr viel Stil und noch mehr Rhythmusgefühl geht der 1958 geborene Franzose zu Werk. Mal streichelt er Snare und Hi-Hats mit den Besen, mal bearbeitet er Toms und Becken rasant mit den Sticks. Und wer Schlagzeugern bislang immer den pauschalen Stempel „Grobian“ aufgedrückt hat, der wird bei Manu Katché definitiv eines Besseren belehrt.

Die Songauswahl erweist sich als genau richtig, schnelle, groovige Stücke wie „Keep On Trippin’“ folgen auf Balladen, darunter das grandios-melancholische „Springtime Dancing“ oder das herrlich gefühlvolle „Une L’Arme Dans Ton Sourire“. Die Band indes präsentiert sich wie aus einem Guss – harmoniert perfekt, die Musiker verstehen sich blind. Besonders gefällt Alfio Origlio am Piano, der für seine Soli auch gerne mal gleichzeitig in die Tasten des Fender Rhodes und des Flügels haut. Virtuos präsentiert sich auch der Norweger Tore Brunborg am Saxophon, der die wunderschönen Melodien perfekt intoniert und mit seinem Instrument fast über den Wolken aus Piano-Akkorden zu schweben scheint. Auch Laurent Vernerey am Bass macht seine Sache gut – leider darf er solo-technisch nicht ganz so häufig ran – obwohl er es bestimmt gekonnt hätte.

Optisch abgerundet wird die musikalische Darbietung durch stimmungsvolle Projektionen. Bei vielen Künstlern übertrieben, setzt der VJ die visuellen Effekte bei Manu Katché genau richtig und sehr dezent ein. Das Ergebnis ist ein stimmungsvoller Gesamteindruck auf höchstem Niveau.

Nach zwei Zugaben – die erste mit einem furiosen, minutenlangen Drum-Solo – ist Schluss. Manu Katché zeigt sich als wahrer Gentleman und bedankt sich mehrfach beim hochzufriedenen Publikum, das Künstler und Band frenetisch feiert. Ein toller Abend mit wirklich großartiger Musik. Chapeau, Monsieur Emmanuel.

So klingt der Sommer 2010 (im Rheingau)

Nein, bitte keine Analogien zum ähnlich klingenden Werbespruch der Eishersteller aus Hamburg mit dem rot-weißen Logo. Denn Kenner wissen, dass mein Herz für Mövenpick Eis schlägt! Macao rulez!!! Aber ich schweife ab. Am 26. Juni 2010 startet das 23. Rheingau Musik Festival – und das verheißt Musik von Klassik bis Jazz auf höchstem Niveau – an den schönsten Spielplätzen im Rhein-Main-Gebiet. Zum Beispiel das Zisterzienserkloster Eberbach, der Gutshof von Schloss Johannisberg, die traumhafte Kulisse von Schloss Vollrads oder der Wiesbadener Kurpark. In diesem Jahr finden bis Ende August genau 153 Konzerte an 42 Spielstätten statt. Grund genug, sich mit einigen Terminen mal genauer aus einander zu setzen.

Als meine persönlichen Highlights sind definitiv die folgenden zu nennen: Zum einen Ausnahmedrummer Manu Katché, der schon seit drei Jahrzehnten mit Künstlern wie Tracy Chapman, den Bee Gees oder Mark Knopflers Dire Straits gearbeitet hat. Er tritt am 11. August seiner eigenen Band vor dem altehrwürdigen Schloss Vollrads bei Oestrich-Winkel auf der Seebühne und unter freiem Himmel auf.

Unter dem Motto „Live im Park“ gastiert Michael Kaeshammer am 30. Juli in den Wiesbadener Kurpark. Über sein vor einigen Monaten erschienenes Album „Lovelight“ hatte ich ja bereits einen Post geschrieben. Zusammen mit seiner Band bringt der fast schon unverschämt talentierte Jazzer einen Mix aus Jazz-Pop, Boogie-Woogie und fetzigen Improvisationen mit in die Landeshauptstadt.

Nur einen Tag später, am 31. Juli, gastiert Eliades Ochoa im Wiesbadener Kurpark. „Eliades wer?“ wird jetzt vielleicht der ein- oder andere fragen. Aber: Die meisten werden ihn schon kennen – denn er ist einer der Hauptakteure des bekannten Buena Vista Social Clubs. Dem Gitarristen, der zusammen mit der Band El Grupo Patria auftritt, eilt der Ruf voraus, der „kubanische Johnny Cash“ zu sein. Man darf also gespannt sein auf einen Abend mit kubanischer Musik – der leider zum jetzigen Zeitpunkt schon ausverkauft ist. Aber vielleicht kommen auch Zaungäste zumindest in den akustischen Genuss des Auftritts!

Wer auf Big Band-Sound steht, wird am Vormittag des 04. Juli auf Schloss Johannisberg mit Viktoria Tolstoy, die von der Big Band der Bundeswehr begleitet wird, seine Freude haben. Auf der Playlist stehen dabei Songs von Stevie Wonder, dem knurrigen „Belfast Cowboy“ Van Morrison oder Paul Simon. Traditionell huldigt die „Ladies‘ Night“ beim Rheingau Musik Festival zwei großen weiblichen Jazz-Stimmen. In diesem Jahr sind es die aus Malawi stammende Malia und die „New Queen of Swing“ Clare Teal. Das Konzert findet am 03. August statt – ebenfalls auf der Seebühne von Schloss Vollrads.