Schlagwort-Archive: Nils Landgren

Coole Cover, clever compiled.

Cover_300dpi„Cover“. Allein schon das Wort hat irgendwie einen negativen Beigeschmack: Kopiert. Abgekupfert. Verpfuscht… Vielen Coversongs haftet ein wenig schmeichelhaften Image an. Damit wollte sich die umtriebige Radio-journalistin und DJane Gülbahar Kültür wohl nicht abfinden – und hat sich auf die Suche nach besonderen, speziellen – nach hörenswerten Coverversionen, gemacht.

Das Ergebnis: „Beautiful Cover Versions Vol. I“, eine Compilation, die es auf zwei CDs bzw. mit 29 Songs in sich hat. Geordnet nach „Past Times“ auf CD 1 und „Good Times“ auf CD 2. Viele der Tracks sind absolut hörenswert. Dabei streckt sich die musikalische Bandbreite ziemlich weit – vom jiddischen Song „Bei Mir Bist Du Schoen“, hier in einer Version von Ella Fitzgerald mit druckvoller Jazz-Combo Begleitung bis hin zu „Bye Bye Love“, im Original von den Everly Brothers, im entspannten Singer-Songwriter-Style von Madeleine Peyroux. Zwar gibt es auch ein paar Tanzflächen-kompatible Produktionen zu entdecken, aber mich überzeugen eher die leisen Töne. Zum Beispiel der zur wunderschönen Jazz-Ballade umgeschriebene Tina Turner Hit „We Don’t Need Another Hero“ von Mr. Redhorn, Nils Landgren, persönlich. Inklusive Posaunensolo, versteht sich. „Rausschmeißer“ zum Schluss ist – natürlich im positivst-möglichen Sinne – die alte Stevie Wonder Nummer „Part Time Lover“, die auch als gitarrenschwangerer Gipsy-Kracher eine gute Figur macht. Ebenfalls mit dabei sind bekannte Namen wie Ex-Spice Girl Melanie C oder Dance-Sängerin Sophie Ellis-Bextor.

Manche Songs erkennt man vom ersten Ton an, andere Künstler gönnen sich mehr Freiraum bei ihrer Interpretation, so dass auch eingefleischte Musikliebhaber ein wenig rätseln müssen. Mich hat vor allem die Zusammenstellung der Songs überzeugt, tut sich für den geneigten Hörer doch eine neue, bunte Cover Welt auf, die den meisten von uns bisher verschlossen geblieben sein dürfte. Vielleicht stehen genau dafür auch die vielen bunten Schmetterlinge auf dem Cover…

Ich bleibe dabei: Musik hilft gegen alles. Auch gegen den bevorstehenden Herbst-Blues. Und „Beautiful Cover Versions Vol. 1“ ein besonders wirksames Gute-Laune-Mittel.

„Beautiful Covers Vol. 1“ ist am 10. Oktober 2014 bei Lola’s World Records erschienen. Mehr Infos auf der Facebook Seite des Labels https://www.facebook.com/lolasworldrecords

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Just do it: Rüdiger Baldauf überzeugt mit erstem Album „Own Style“ auf der ganzen Linie

Die Meisten von uns werden Rüdiger Baldauf schon viele Male gesehen und gehört haben – vermutlich aber nicht bewusst, denn der Mann an der Trompete spielt in der Band Heavytones, die für die musikalische Unterstützung von Stefan Raabs TV Total zuständig ist. Und in dem Punkt, dass Stefan Raab ein gewisses Händchen für Musik hat, sind sich wohl alle einig.

Gleich vorweg: Mit seinem ersten Album “Own Style” ist Rüdiger Baldauf definitiv ein großer Wurf gelungen – und das nicht nur, weil er mit Größen wie Till Brönner, “Funk-Unit”-Frontmann Nils Landgren oder dem holländischen Trompeter und Flügelhornspieler Ack van Rooyen die nationale wie internationale Blechbläser-Crème de la Crème ins Studio geholt hat. Aber auch Baldauf selbst ist alles andere als ein Unbekannter in der Jazz-Szene, war er doch schon mit Größen wie Ray Charles, James Brown oder Dionne Warwick auf Tour.

Auf “Own Style” präsentiert sich Baldauf ungeheuer vielseitig und nähert sich dem Jazz mitunter auf sehr unkonventionelle Weise, bewegt sich leichtfüßig zwischen Funk, Pop und Modern Jazz, hier und da garniert mit ein paar Fusion-Elementen. Dabei wechseln sich Uptempo-Nummern mit herrlich treibenden Basslines und groovenden, teils sehr perkussiven Schlagzeug-Beats ab mit anspruchsvoll arrangierten Balladen wie Lionel Richie’s “Endless Love” oder “Nature Boy”. Messerscharfe Bläser, kristallklarer Trompeten-Sound – das Album geht definitiv ins Ohr und ist nichts für Zeitgenossen, die ihre Musik lieber zu leise als zu laut hören. Gut, die Gesangseinlagen, die ein paar der Songs schmücken (beispielsweise den Titeltrack “Own Style”), hätte ich nicht unbedingt gebraucht. Aber das ist sicherlich Geschmackssache.

Fazit: Rüdiger Baldaufs Erstlingswerk ist ein rares Exemplar – sprengt es doch gekonnt die Genre-Grenzen des Jazz. Und genau dadurch hat es das Potenzial, auch diejenigen zu überzeugen, die sich bisher nicht oder kaum an Jazz-Musik herangetraut haben. Dabei ist es nicht mehr und nicht weniger als ein derbe groovender Beweis dafür, dass der Jazz genauso vielseitig und interessant sein kann, wie die Menschen, die ihn spielen.

Anspieltipps: “Messin’ With The Kids” und “Factor Funk”.