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Neu und frisch: Jazz aus Deutschland im Jahr 2014

lowsky_rustyIch gebe zu, das Album von Pit Baumgartner und Joo Kraus liegt schon ein paar Tage auf meinem digitalen Schreibtisch. Jetzt also endlich der Bericht zu „Low Sky Sketches“. Beide Künstler sind lange genug im Geschäft, als dass sie hier einer ausführlichen Vorstellung bedürften. Baumgartner hat als Produzent und Triebfeder von De-Phazz oft genug bewiesen, wie vielseitig der musikalische Raum zwischen Pop und Jazz sein kann, Kraus ist seit Mitte der 1980er musikalisch unterwegs und zeichnet seit seinem Erstlingswerk „Public Jazz Lounge“ im Jahr 2003 für einige viel beachtete Jazz-Alben verantwortlich. Was kommt also dabei heraus, wenn sich zwei Musiker von diesem Schlage zusammentun?

Meine Erwartungen waren hoch. Und wurden – soviel schon vorneweg – nicht enttäuscht. Klar: Wer feinsinnigen akustischen Jazz der alten Schule erwartet, sollte den Kauf von „Low Sky Sketches“ vielleicht überdenken. Allen, die wie ich daran glauben, dass sich Musik weiterentwickeln darf, soll und muss, die sich freuen, wenn neue Nuancen das Klangbild bereichern, denen sei hier schon eine klare Kaufempfehlung ausgesprochen. Doch zurück zur eingangs gestellten Frage: „It could be a slow song, it could be Jazz […] just let me do it right this time.“ bei „Right This Time“ ist fast schon sinnbildlich für den 17 Tracks umfassenden Longplayer. Denn „Low Sky Sketches“ ist ein Genregrenzen-überwindendes Potpourri erster Güte. Mal serviert das Duo entspannte, mal bluesige, mal eher nach Chillout, mal eher nach Funk klingende Songs. Dazu omnipräsent aber nie nur vordergründig: Die Trompete von Joo Kraus. Wer den direkten Kontrast hören mag, sollte sich mal ein Till Brönner-Album zum Vergleich anhören. Sparsam instrumentierte Jazz-Balladen wie „Nightcreeper“ oder „Liaison In Jazz“ mit einem schönen Frage-Antwort-Spiel von Piano und Blechbläser gesellen sich zu schnelleren Songs wie „Breathe Beside Me“, dass zwar sicher auch seinen Weg auf eine der zahlreichen Chillout-Compilations finden wird. Die Qualität der Produktion geht aber weit über die 4-Takt-Loops mit Synthie-Geschwurbel und Gitarrensounds aus dem Sampler hinaus. Besonders auffällig sind die vielen kleinen Details, die über das ganze Album verstreut sind: Rauschen, Stimmen, Hintergrundgeräusche. Damit haben andere Künstler schon viel kaputt gemacht, auf „Low Sky Sketches“ sorgt es vor allem für eines: Atmosphäre. Einziger Ausreißer aus dem eher jazzigen Duktus ist „I Sing“ mit freakigen Chorgesängen und einem Reggae-Beat, den es für mich jetzt nicht gebraucht hätte. Doch die übrigen Songs wissen absolut zu überzeugen!

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Meckern auf hohem Niveau: Pit Baumgartner präsentiert neues Projekt „Quicksand“

Preisfrage: Wie beschreibt man ein Album, das die Plattenfirma als „Next Door Pop“ klassifiziert? Zugegeben, so wirklich aussagekräftig ist diese Genrebezeichnung nicht. Das Album „Economic Poetry“ dafür um so mehr. Verantwortlich dafür zeichnet kein geringerer als Pit Baumgartner, seines Zeichens auch der Produzent von De-Phazz. Mit Quicksand hat der umtriebige Musiker nun sein nächstes Projekt in Angriff genommen. Und der typische Baumgartner-Sound, der mit warmen Harmonien, jazzigen Improvisationen und jeder Menge Grooves gewürzt ist, findet sich in jedem Song, jedem Refrain und jedem Takt wieder. Mit dabei: Ein ganzes Orchester von Piano bis Panflöte, von Tabla bis Trompete – Jazz-Gitarre, Mundharmonika und eingängige Bassläufe sowieso. Aber auch jede Menge perkussive Instrumente, die Songs wie „Say Good-Bye To Cinderella“ fast etwas weltmusikalisches verleihen, sind mit von der Partie.

Demnach überzeugt das musikalische Niveau des Albums voll und ganz, auch wenn ein wenig mehr Distanz zu den bisherigen De-Phazz-Produktionen sicher nicht geschadet hätte. Denn die Abwechslung fehlt. Nicht auf dem Longplayer selbst, denn jeder Song ist für einen anderen Tanzstil geeignet: Von „Mayday – Payday“ als Pasodoble bis hin zum groovenden „Love Antique“ als Slow Fox ist so ziemlich alles dabei, was die Parkettböden deutscher Tanzschulen zum Vibrieren bringt. Aber „Economic Poetry“ könnte auch gut als neues De-Phazz-Album durchgehen – und da hätte ein bisschen mehr Innovation gut getan. Definitiv reizvoll ist aber die zarte Stimme von Sandie Wollasch, die ein kleines Stück unter Kate Bush angesiedelt ist und die verschiedenen Tempi der Songs locker mitgehen kann.

Für Fans von Pit Baumgartners Sound ist „Economic Poetry“ sicher ein echtes Muss. Allen, die noch keine seiner Produktionen ihr Eigen nennen und dem ambitionierten Lounge-Sound des Albums nicht abgeneigt sind, haben ab 28. Januar 2011 die Chance, ihre Plattensammlung um das Genre „Next Door Pop“ zu erweitern.