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It’s a family affair: Radio Utopia „Algebra Of Delight“

Preisfrage: Was kommt dabei heraus, wenn sich zwei äußerst musikalische Brüder unter dem Namen Radio Utopia zusammentun und ihre Energie auf ein gemeinsames Album konzentrieren? Das Label INFRACom sagt „ein sample-based Disco-Funk-HipHop-House-Afrobeat influenced club-music-album“. Aha. Ich würde sagen: Das klingt interessant genug, um es einmal selbst unter die Lupe zu nehmen!

Doch zunächst zu den beiden Musikern. Der eine, Jerker Kluge, ist als Bassist in der Münchner Jazz- und Funk-Szene aktiv. Der andere, Daniel Regenberg, lebt in Berlin und schreibt dort Musik für Theater und Film-Produktionen.

Nun denn, ich bin gespannt! Gleich der Titelsong „Algebra Of Delight“ kommt mir irgendwie bekannt vor. Richtig, die Harmonien klingen nach re:jazz und „You’ll See“, das im Radio Utopia Remix auf dem jüngst erschienen Album „electrified“ zu hören ist. Doch nach einigen Takten kommt der Basslauf von Justin Timberlakes „Rock Your Body“ dazu. Ein wirklich toller Mix – gefällt mir! Spätestens beim Hören von Track 3 „All American Superchick Behind The Bar“ wird klar, dass ein passionierter Bassist mit am Rechner gesessen hat. Groovender Rhythmus, funky Bass und die Stimme Maria Kamutzki, die übrigens den Titelsong der deutschen Ebay TV-Kampagne „You’ll be mine“ gesungen und komponiert hat. Leider kann der Refrain nicht halten, was die Strophen versprechen. Da ist die freche Stimme von Maria Kamutzki nur noch nervig (weil zu hoch). Das klingt eher wie die Scissor Sisters im Vollrausch…

Versöhnlicher wird es beim Bob Marley Cover „Get Up Stand Up“ und der lateinamerikanisch angehauchten Nummer „Winter Sky“. Achtung, es wird housig: Bei „Body Heat“ steht ein gradliniger House-Beat im Vordergrund, dazu ein paar warme Akkorde vom Fender Rhodes. Noch mehr nach Club klingt „Torpor“. Hier sorgen ein pumpender Akustik-Bass und treibende Percussions für die nötig Tanzflächen-Kompatibilität. Dass die Jungs von Radio Utopia auch vor Michael Jackson nicht halt machen, beweist ihr „Bad“ Cover. Langsam, eingängig, mit einem schleifenden Beat und den typischen Bongos klingt die Version alles andere als alltäglich.

Insgesamt sind die Produktionen alle auf einem sehr hohen Niveau. Die Musik ist durchdacht, durchaus auch anspruchsvoll und sehr facettenreich. Dabei können Radio Utopia ihre Vorliebe zu Funk, Soul und Jazz nicht verbergen. In jedem Song finden sich Zitate dieser Stilrichtungen. Ich finde: Sehr hörenswert!

„Algebra Of Delight“ ist erschienen bei INFRACom Records in Frankfurt, auf der Webseite gibt es mehr Infos – und die Möglichkeit, das Album direkt herunterzuladen!

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Groovy, groovy, jazzy, funky: Das neue Remix-Album „electrified“ von re:jazz

Remix-Alben sind so eine Sache. „Oh nein!“ rufen die einen, „na endlich!“ die anderen. Die Skepsis verwundert nicht, denn viel zu oft wurden uns schon alte Kamellen und Fundstücke aus der angestaubten musikalischen Klamottenkiste als aktuelle Hits untergejubelt. Nicht so beim brandneuen Remix-Album „electrified“ der deutschen Jazz-Pop-Soul-Kombo re:jazz um Mastermind Matthias Vogt, denn schon nach den ersten Tracks wird klar: Die Songs sind richtig gut gemacht und perfekt ausgewählt. Gleich die erste Nummer „Star Chasers“, eine akustische Cover-Version, ist ein echter Leckerbissen. Soulig, perfekt arrangiert und getragen von Inga Lünings gefühlvoller Stimme – so kann es weiter gehen. Song Nummer 2, „Gabrielle“, ist gleich in zwei Versionen auf der CD: Die erste präsentiert sich mit geradlinigem House-Bass und schönen Harmonien à la Chicane, die zweite Version kommt ohne Rhythmus aus und stellt bewusst die Stimme von Sängerin Alice Russell in den Vordergrund.

Weitere Anspieltipps: „Written In The Stars“, ein Remix des britischen Produzenten ATJAZZ, der die Nummer zu einem richtigen House-Brett mit wunderbaren Akkorden und Retro-Bass verwandelt hat, sowie „Donaueschingen“, das der schwedische Remixer Andreas Saag aka SWELL SESSION sehr erfolgreich zu einer veritablen Hip-Hop-Nummer transformieren konnte. Letztere mit einem Schuss lateinamerikanischer Rhythmen und einem funkigen Piano-Riff, bei dem es schwer fällt, die Füße still zu halten!

Doch ganz gleich ob Ballade, House oder Hip-Hop: Die jazzigen Elemente sind auf „electrified“ allgegenwärtig, drängen sich aber nicht unangenehm in den Vordergrund oder verlangen den Hörern besondere Konzentration, respektive eine ausgeprägte Neigung zur Jazzmusik ab. Ein paar Improvisationen hier, kleines Xylophon-Solo da, dazu ein paar gekonnt gesetzte Piano-Akkorde: Fertig ist ein 64-minütiges Album jenseits der 3.425-sten House- oder Lounge-Compilation, das auch nach mehrmaligem Hören noch fasziniert. Übrigens: re:jazz gehen auf Tour – und treten am 11. März in Rüsselsheim (Das Rind), sowie am 17.03. in Frankfurt (Sinkkasten) auf.

Das Album erscheint am 05.03.2010 beim Frankfurter Label INFRACom!