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Auf dem Silbertablett serviert – „Made In The Shade“ von Sarah K.

Emotion und Perfektionismus schließen einander aus, so heißt es oft. Ein rares Beispiel, dass es auch anders geht, liefert die US-Amerikanische Singer-Songwriterin Sarah K. mit ihrem aktuellen Album „Made In The Shade“, erschienen beim deutschen Label Stockfisch Records. Denn die CD strahlt jenen selten gehörten Charme aus, der den Zuhörer unmittelbar und gebannt inne halten lässt, glänzt gleichzeitig aber durch nahezu perfekt arrangierte Songs.

Die in New Mexico lebende Sängerin ist seit der Veröffentlichung ihrer ersten Longplayer Anfang der 1990er Jahre mit Preisen überhäuft worden, vor allem für ihre technisch auf höchstem Niveau produzierten und abgemischten Lieder. Fernab ihrer auf den reinen Kommerz ausgerichteten Kollegen hat sich Sarah K. eine Nische irgendwo zwischen Jazz, Folk und Blues gesucht – und ist dieser bis heute treu geblieben. Immer mit dabei – und mittlerweile zu ihrem Markenzeichen geworden – ist ihre mit vier Bass-Saiten (!) bespannte Gitarre.

Das Album präsentieren sich wie ein sorgfältig selektiertes zwölf-Gänge-Menü, bei dem die musikalische Meisterköchin nichts dem Zufall überlassen zu haben scheint. Perfekte Songs, die nie überladen oder zu opulent wirken, sondern allesamt durch Schlichtheit und Reduktion bestechen. Und wie bei einem guten Essen macht jeder Gang noch mehr Lust auf das, was noch kommen wird. Vom bluesigem „Sizzlin'“ bis hin zum folkigen „After There’s A Blizzard“ weicht Sarah K. gekonnt die Grenzen einzelner Genres auf – und kombiniert verschiedene Elemente zu einem neuen Klangerlebnis: Musikalische Haute Cuisine mit einem Schuss Avantgarde und einer Prise ehrlicher, bodenständiger Hausmannskost, serviert in stilvollem, aber nicht zu dick auftragendem Geschirr in Form großartiger Arrangements.

Charaktervoll und perfekt auf die Songs abgestimmt ist Sarah K.’s wandlungsfähige, leicht rauchige und warme Stimme. Fast – um der Analogie treu zu bleiben – wie ein guter Wein, der vom Sommelier sorgfältig für den jeweiligen Gang ausgewählt wurde, veredelt und trägt sie jedes einzelne Lied – und macht „Made In The Shade“ endgültig zu einem musikalischen Leckerbissen, den man sich nicht entgehen lassen sollte. Anspieltipp: die gefühlvoll-bluesige Ballade „Manchild“.

Das Album ist übrigens als hybrider Datenträger mit einer Spur für herkömmliche CD-Player – und einer für audiophile SACD-Spieler erhältlich. Allen, denen auch das noch nicht reichen sollte, bietet Stockfisch Records eine pure audio blue-ray Disc an. Mit 24bit und einer Abtastrate von 88.2 kHz sollten – eine entsprechende Hifi-Ausstattung vorausgesetzt – dann definitiv keine Fragen mehr offen sein. „Made In The Shade“ ist vermutlich Sarah K.’s letztes Album, denn die charismatische Sängerin hat vor Kurzem angekündigt, sich aus dem Musikgeschäft zurückziehen zu wollen, vermutlich, um mehr Zeit für ihre 13-jährige Tochter zu haben.

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